Hüftgelenk

Hüftendoprothetik

Wer eine Operation braucht, wann man sie nicht aufschieben sollte, wie sie abläuft und wie lange die Rückkehr auf die eigenen Beine dauert.

Warum das Gelenk zerstört wird

Das Hüftgelenk gehört zu den am stärksten belasteten Gelenken des Körpers: Bei jedem Schritt trägt es das Gewicht des Rumpfes. Der Knorpel, der die Gelenkflächen bedeckt, wird über Jahre dünner, Knochen beginnt auf Knochen zu reiben — daher der Schmerz und die eingeschränkte Beweglichkeit.

Die häufigsten Ursachen:

  • Koxarthrose — allmählicher Knorpelverschleiß. Die häufigste Ursache, meist nach dem 50. Lebensjahr, kann aber auch früher beginnen.
  • Hüftkopfnekrose — Absterben von Knochengewebe infolge gestörter Durchblutung. Kommt auch in jungem Alter vor und schreitet schnell voran.
  • Hüftdysplasie — eine angeborene Formstörung, die nach Jahren zu einer frühen Arthrose führt.
  • Traumafolgen — Schenkelhalsfraktur, Frakturen der Hüftpfanne.
  • Entzündliche Erkrankungen — rheumatoide Arthritis und andere systemische Erkrankungen.

Welche Symptome ein Warnsignal sind

  • Schmerz in der Leiste, der häufig ins Knie ausstrahlt. Deshalb wird ein Problem des Hüftgelenks manchmal lange als „Knieerkrankung“ behandelt.
  • Morgensteifigkeit: Das Gelenk braucht Zeit, um sich nach dem Aufstehen zu „lösen“.
  • Das Anziehen von Socken, das Binden von Schuhen, das Schneiden der Zehennägel wird schwierig — ein erstes Anzeichen für die Einschränkung des Bewegungsumfangs.
  • Hinken, verkürzter Schritt, rasche Ermüdung beim Gehen.
  • Nächtliche Schmerzen, die auch in Ruhe nicht nachlassen. Das ist bereits ein Zeichen eines fortgeschrittenen Stadiums.

Schmerz nicht in der Leiste, sondern nur seitlich im unteren Rücken, deutet nicht immer auf das Hüftgelenk hin — eine ähnliche Beschwerde kann auch von der Wirbelsäule ausgehen. Eine Abgrenzung ist nur bei der Untersuchung möglich.

Wann eine Operation nötig ist

Die Endoprothetik ist nicht der erste Schritt, sondern der letzte. Zunächst wird die konservative Behandlung versucht: Physiotherapie, Muskelkräftigung, Gewichtsreduktion, schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, in bestimmten Fällen intraartikuläre Injektionen.

Von einer Operation spricht man, wenn:

  • der Schmerz auf konservative Behandlung nicht anspricht und den Alltag einschränkt;
  • nächtliche Schmerzen den Schlaf stören;
  • der Bewegungsumfang stark eingeschränkt ist und das Hinken dauerhaft geworden ist;
  • im Röntgenbild oder CT eine deutliche Verschmälerung des Gelenkspalts, eine Knochendeformität oder ein Nekroseherd sichtbar ist.
Wichtig. Die Entscheidung wird nicht anhand eines einzelnen Bildes getroffen. Sieht das Röntgenbild „schlecht“ aus, während der Betroffene beschwerdefrei lebt, ist keine Operation nötig. Umgekehrt gilt: Ist der Befund moderat, der Schmerz aber lebensbestimmend, hat Warten keinen Sinn.

Untersuchung und Vorbereitung

  • Röntgen in zwei Ebenen; bei Bedarf CT oder MRT — insbesondere bei Verdacht auf Nekrose und Dysplasie.
  • Blutuntersuchungen, EKG, internistische und anästhesiologische Untersuchung.
  • Vorherige Einstellung von Diabetes mellitus, Bluthochdruck und anderen chronischen Erkrankungen.
  • Sanierung von Infektionsherden — vor allem Zähne und Harnwege. Ein entfernter Infektionsherd im Körper stellt für eine Prothese ein erhebliches Risiko dar.
  • Nach Möglichkeit Gewichtsreduktion und präoperatives Muskeltraining: Das erleichtert die Genesung spürbar.

Wie die Operation abläuft

Der zerstörte Hüftkopf wird entfernt, die Hüftpfanne vorbereitet und ein künstliches Gelenk eingesetzt. Die Endoprothese besteht aus drei Hauptteilen: der Pfannenkomponente, der Schaftkomponente und dem Gleitpaar dazwischen.

Es gibt zwei Arten der Fixierung:

  • Zementfrei — die Implantatoberfläche ist so beschaffen, dass der Knochen in sie einwächst. Bevorzugt bei guter Knochenqualität und relativ jungem Alter.
  • Zementiert — das Implantat wird mit Knochenzement befestigt. Wird bei brüchigem Knochen, etwa bei Osteoporose, gewählt.

Die Doktorarbeit von Dr. Seidov widmet sich speziell den proximal fixierten Femurkomponenten — Konstruktionen, die die Last näher an der natürlichen Anatomie auf den oberen Teil des Oberschenkelknochens übertragen.

Die Operation dauert in der Regel 1–2 Stunden und erfolgt unter Vollnarkose oder Spinalanästhesie.

Genesung: Tag für Tag

1.–2. Tag
Erste Mobilisation. Die ersten Schritte mit Unterstützung und Hilfe. Die frühe Mobilisierung ist kein Zufall: Sie senkt das Thromboserisiko und erhält die Muskulatur.
Erste 4–6 Wochen
Gehen mit Gehstützen oder Gehstock. Die Belastung wird schrittweise gesteigert, Physiotherapie gehört zum täglichen Ablauf.
6–12 Wochen
Selbstständiges Gehen. Rückkehr zum Alltag und in den meisten Fällen zur Arbeit. Schwere Belastungen sind vorerst eingeschränkt.
3–6 Monate
Vollständige Genesung. Muskelkraft kehrt zurück, das Gangbild wird gleichmäßiger.

In den ersten Monaten sind einige Bewegungen zu vermeiden: das Gelenk über 90 Grad zu beugen, die Beine zu überkreuzen, sich auf einen sehr niedrigen Stuhl zu setzen. All das erhöht das Risiko einer Implantatluxation. Die konkreten Einschränkungen hängen von der Operationstechnik ab und werden bei der Entlassung individuell erläutert.

Wie lange die Prothese hält

Nach Daten internationaler Endoprothetik-Register bleiben etwa 90–95 % der modernen Implantate auch nach 15 Jahren an Ort und Stelle, und in vielen Fällen halten sie länger als 20 Jahre.

Die Haltbarkeit hängt von mehreren Faktoren ab: dem Alter zum Operationszeitpunkt, dem Aktivitätsniveau, dem Körpergewicht, der Knochenqualität und der korrekten Implantation. Bei vorzeitiger Lockerung oder Verschleiß ist eine Revisionsendoprothetik möglich.

Über Risiken — offen gesagt

Die Endoprothetik ist eine Operation mit sehr vorhersehbarem Ergebnis, doch risikofreie Eingriffe gibt es nicht. Die wichtigsten Komplikationen:

  • Infektion — bei moderner Prophylaxe etwa 1 % oder weniger;
  • tiefe Venenthrombose — wird durch Antikoagulation und frühe Mobilisierung reduziert;
  • Implantatluxation — vor allem in den ersten Monaten, bei Nichteinhaltung der Vorgaben;
  • Beinlängendifferenz — meist geringfügig und ausgleichbar;
  • periprothetische Fraktur und Lockerung in der langfristigen Perspektive.

Diese Liste soll nicht abschrecken. Das Risiko senken konkrete Faktoren: korrekt gestellte Indikation, Einstellung chronischer Erkrankungen in der Vorbereitungsphase, Operationstechnik und die konsequente Einhaltung des Genesungsprogramms.

Häufige Fragen

Ist die Operation schmerzhaft?

Die Operation selbst findet unter Anästhesie statt, Schmerzen treten dabei nicht auf. In den folgenden Tagen wird der Schmerz nach einem Schema kontrolliert und lässt in der Regel rasch nach. Viele Patienten berichten schon nach einer Woche über weniger Schmerzen als vor der Operation.

Wie viele Tage verbringe ich im Krankenhaus?

In der Regel 3–5 Tage. Die genaue Dauer hängt vom Alter, von Begleiterkrankungen und davon ab, wie schnell die selbstständige Mobilisation gelingt.

Wann kann ich wieder Auto fahren?

In der Regel nach 4–6 Wochen, bei einer Operation am rechten Bein etwas später. Die Voraussetzung ist einfach: Das Bein muss bei einer Notbremsung uneingeschränkt vertrauenswürdig sein.

Was, wenn beide Gelenke erkrankt sind?

Es gibt zwei Möglichkeiten: schrittweise (zuerst eines, nach einigen Monaten das zweite) oder beide gleichzeitig. Die Wahl hängt vom Allgemeinzustand, vom Alter und von der Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems ab — die Entscheidung wird individuell getroffen.

Gibt es eine Altersgrenze?

Das Alter allein ist kein Hindernis. Entscheidend sind der allgemeine Gesundheitszustand und die Narkoseverträglichkeit. Bei einem gesunden 80-Jährigen kann die Operation sicherer verlaufen als bei einem 60-Jährigen mit schwerer Herzinsuffizienz.

Schlägt der Metalldetektor an?

Am Flughafen kann das vorkommen. Eine Bescheinigung über die Operation mitzuführen genügt.

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