Diagnostik

Knieschmerzen: wann zum Arzt

Ort und Charakter des Schmerzes sagen viel aus. Diese Seite stellt keine Diagnose — sie erklärt, wann man abwarten kann und wann man nicht zögern sollte.

Was die Lage des Schmerzes verrät

  • Vorne, rund um die Kniescheibe — patellofemorales Schmerzsyndrom, Verletzung der Patellasehne, Bursitis. Verstärkt sich beim Treppabgehen und nach längerem Sitzen.
  • An der Innenseite — Verletzung des Innenmeniskus oder des Innenbands, beginnende Arthrose im inneren Kompartiment.
  • An der Außenseite — Außenmeniskus, Tractus-iliotibialis-Reibesyndrom (bei Läufern).
  • An der Rückseite — Baker-Zyste, Verletzung von Muskeln und Sehnen.
  • Das ganze Knie, keine genaue Stelle bestimmbar — intraartikuläre Entzündung, Erguss, Arthrose.
Ein besonderer Fall. Eine Erkrankung des Hüftgelenks äußert sich sehr häufig gerade als Knieschmerz. Erscheint das Knie bei der Untersuchung völlig gesund, muss unbedingt auch das Hüftgelenk untersucht werden.

Die häufigsten Ursachen

  • Meniskusverletzung — nach einer Drehbewegung; Blockier- oder Einklemmgefühl.
  • Kreuzbandverletzung — Sportverletzung, Gefühl des „Wegknickens“ im Knie.
  • Gonarthrose — allmählich zunehmender Schmerz, Morgensteifigkeit, Knirschen.
  • Patellofemorales Schmerzsyndrom — weit verbreitet bei jungen Menschen und Sportlern.
  • Entzündliche und Stoffwechselerkrankungen — rheumatoide Arthritis, Gicht: plötzlicher, heftiger Anfall mit Rötung.

Was je nach Alter wahrscheinlicher ist

Dieselbe Beschwerde bedeutet in unterschiedlichem Alter Unterschiedliches. Das ist keine Diagnose — nur eine Erklärung, was der Arzt zuerst überprüfen wird.

  • Jugendliche und junge Erwachsene — patellofemorales Schmerzsyndrom, Kniescheibeninstabilität, wachstumsbedingte Schmerzen, Sportverletzungen von Bändern und Menisken.
  • 25–45 Jahre — Meniskusrisse, Kreuzbandverletzungen, Überlastungssyndrome, frühe posttraumatische Arthrose.
  • 45–60 Jahre — degenerative Meniskusschäden (mitunter ohne erkennbares Trauma), beginnende Gonarthrose, erste Anzeichen entzündlicher Erkrankungen.
  • Nach dem 60. Lebensjahr — überwiegend Gonarthrose; durch die Knochenbrüchigkeit steigt zudem die Wahrscheinlichkeit eines Bruchs bei geringem Trauma.

Unabhängig vom Alter verdienen Schmerzen, die mit nächtlichem Aufwachen, rasch zunehmender Schwellung oder unerklärlichem Gewichtsverlust einhergehen, besondere Aufmerksamkeit.

Wann man nicht warten darf

Bei folgenden Anzeichen sollte noch am selben Tag ein Arzt aufgesucht werden:

  • nach einer Verletzung ist es nicht möglich, das Bein zu belasten;
  • das Knie ist „blockiert“ und lässt sich nicht strecken;
  • die Schwellung nimmt innerhalb weniger Stunden rasch zu;
  • Rötung, Wärme im Knie und erhöhte Körpertemperatur zusammen — das kann auf einen entzündlichen oder infektiösen Prozess hindeuten;
  • sichtbare Deformität, unnatürliche Beinstellung;
  • Taubheit, Kälte oder Verfärbung des Beins.

Was man in den ersten 48 Stunden zu Hause tun kann

  • Reduzieren Sie die Belastung, vermeiden Sie Bewegungen, die Schmerzen verursachen.
  • Kühlung — 15–20 Minuten mehrmals täglich, dabei stets ein Tuch zwischen Eis und Haut.
  • Leichter elastischer Verband und Hochlagerung des Beins — verringern die Schwellung.

Was man in den ersten Tagen vermeiden sollte: das Knie wärmen oder warme Kompressen auflegen, es gewaltsam beugen, um es „einzulaufen“, den Schmerz mit Medikamenten überdecken und das Bein weiter belasten.

Was beim Arzttermin passiert

Die Untersuchung beginnt mit klinischen Tests — gezielten Handgriffen, die Menisken, Bänder und Kniescheibe prüfen. Danach:

  • Röntgen — Knochenzustand, Gelenkspalt, Beinachse. Bei Arthroseverdacht ist es wichtig, unter Belastung, also im Stehen, aufzunehmen: im Liegen erscheint der Spalt breiter, und das Stadium kann unterschätzt werden.
  • MRT — für Menisken, Bänder und Knorpel. Nicht bei jedem Schmerz nötig, sondern bei konkretem klinischem Verdacht.
  • Ist viel Flüssigkeit im Gelenk vorhanden, kann eine Punktion zugleich therapeutisch und diagnostisch sein.

Wann eine Operation nötig ist

Der Großteil der Knieschmerzen wird ohne Operation behandelt. Ein chirurgischer Eingriff wird vor allem erwogen bei:

  • einem Meniskusriss mit Gelenkblockade — Arthroskopie;
  • einem vollständigen Kreuzbandriss, besonders bei aktiven Menschen — rekonstruktive Operation;
  • fortgeschrittener Gonarthrose — Knieendoprothetik;
  • intraartikulären Frakturen.

Häufige Fragen

Muss bei Knieschmerzen immer ein MRT gemacht werden?

Nein. Untersuchung und Röntgenbild genügen meist. Ein MRT wird bei einem konkreten klinischen Verdacht angeordnet — auf eine Verletzung des Meniskus, eines Bandes oder des Knorpels.

Ist Knacken im Knie gefährlich?

Schmerzloses Knacken ist für sich genommen kein Krankheitszeichen und kommt bei vielen Menschen vor. Kommt es jedoch zusammen mit Schmerz, Schwellung oder einem Blockiergefühl vor, ist eine Untersuchung nötig.

Der Schmerz ist verschwunden — muss ich trotzdem zum Arzt?

Ein nach einer Verletzung abgeklungener Schmerz bedeutet nicht immer, dass das Problem gelöst ist — Meniskus- und Bandverletzungen können vorübergehend beschwerdefrei sein. War die Verletzung schwerwiegend, lohnt sich eine Untersuchung auch ohne Schmerzen.

Welcher Sport ist gut fürs Knie?

Schwimmen, Fahrradfahren und Gehen auf ebenem Untergrund kräftigen die Muskulatur ohne stoßartige Belastung. Solange Schmerzen bestehen, sollten Laufen, tiefe Kniebeugen und abrupte Drehbewegungen vermieden werden.

Helfen Injektionen?

Bei richtiger Indikation ja: Sie lindern den Schmerz und erhalten vorübergehend die Gelenkfunktion. Eine Injektion macht eine Arthrose jedoch nicht rückgängig, und die Häufigkeit der Wiederholungen muss kontrolliert werden.

Kann Knieschmerz vom Hüftgelenk ausgehen?

Ja, und das kommt häufig vor. Eine Hüftarthrose verursacht Schmerzen, die von der Leiste ins Knie ausstrahlen. Deshalb umfasst die Untersuchung stets beide Gelenke.

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